Die Geschichte
von Fritz Knirsch

Wenn man mit so einem Namen aufwächst, wird man oft gefragt: Wo kommst Du denn her? Ich musste mich früher immer erklären. Deshalb habe ich mir diese Fragen auch selbst gestellt: Wo komme ich her? Wer bin ich? Das prägt und gibt Kraft. Ich wäre heute nicht, wer ich bin, wenn ich als Fritz Knirsch durchs Leben gegangen wäre. Der Standesbeamte wollte eigentlich noch einen deutschen Namen, damit das Geschlecht klarer würde, und Knirsch ist der Mädchenname meiner Mutter. Die Vielfalt im Rhein-Main-Gebiet ist übrigens inzwischen so normal geworden, dass meinen Kindern diese Fragen kaum noch gestellt werden.

Später bin ich dann auf die Internationale Schule im Jemen gegangen, dem Heimatland meines Vaters. Die Sprache an der Schule war Englisch, die Alltagssprache Arabisch. Das war sehr anstrengend, hat aber meinen Horizont ziemlich erweitert. Ich hatte Mitschüler aus vielen verschiedene Ländern und Kulturen. Der Jemen selbst ist ein sehr arabisches Land. Nach zwei äußerst intensiven Jahren habe ich dann beschlossen, nach Hause zurückzukehren. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei allen Menschen, denen ich in diesem Lebensabschnitt begegnen und deren enorme Gastfreundschaft ich genießen durfte. Ich konnte danach mein Heimatland Deutschland und meine Heimatstadt Offenbach mit ganz anderen Augen sehen und auch anders schätzen. Ich bin sehr froh, heute in Hessen politisch gestalten zu dürfen und Verantwortung zu übernehmen.

Nach zwei Jahren im Jemen konnte ich mein Heimatland Deutschland und meine Heimatstadt Offenbach mit ganz anderen Augen sehen und auch anders schätzen

In meiner Familie blieb das gar nicht aus, sich mit politischen und gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Meine Mutter war eine sehr engagierte Lehrerin, die ihren Beruf wirklich ernst genommen hat. Sie hat vor allem aber auch selber mitgestaltet, hat auch immer wieder ihren Protest zum Ausdruck gebracht und sich eben auch außerhalb des Berufs in die Gesellschaft eingebracht. Es wurde viel diskutiert, aber es blieb eben nicht dabei: Es wurde auch immer gefragt, was können wir konkret tun – und das am besten schon am nächsten Wochenende. Das hat mich wirklich sehr geprägt. Und mir ging es sehr schnell darum, dass man nicht nur protestiert, wenn einem etwas nicht passt, sondern selbst etwas verändert. Politik muss in konkretes Handeln münden. Da muss dann was passieren und das muss man sehen können. Reden ohne Anpacken ist wirklich nicht mein Ding.

So spannend meine Jugend war, ein Zuckerschlecken war sie nicht. Ich habe viele Kämpfe austragen müssen, viel Kraft aufgewandt, um meinen Weg zu finden. Kraft, die manchmal an anderer Stelle fehlte: Nach Noten war ich nicht immer ein guter Schüler und natürlich habe ich nach der Rückkehr aus dem Jemen prompt 'ne Ehrenrunde gedreht. Aber in solchen Situationen habe ich viel von meinem Vater gelernt: Hinfallen ist echt kein Problem; aber nicht wieder aufstehen ist einfach keine Option.

Mein Vater sagte mal zu mir: "Tarek, Du hast enormes Glück, weil Du sehr viele Möglichkeiten hast, mache daraus etwas Anständiges". Und meine Mutter meinte immer: "Nimm die Dinge nicht einfach so hin. Hinterfrage die Welt und arbeite an ihrer Verbesserung, es gibt immer was zu tun im Land."

Meine Mutter meinte immer: "Nimm die Dinge nicht einfach so hin. Hinterfrage die Welt und arbeite an ihrer Verbesserung."

Was wurde uns nicht alles prophezeit nach dieser Koalitionsbildung vor viereinhalb Jahren: Dass wir irgendwie absacken mit allem was dazu gehört. Ich stelle jetzt einfach mal fest: Mitgliederrekord und Umfrageergebnisse, die deutlich besser sind als das Landtagswahlergebnis. Das ist am Ende unser gemeinsamer Erfolg als GRÜNE in der Hessischen Regierung.

Wir denken groß als GRÜNE, haben Visionen davon, wie sich unser Land Hessen in der Zukunft entwickeln muss. Aber wir sind auch gleichzeitig dabei, dass wir das große Denken Stück für Stück in die Realität umsetzen. Und ich bin mir ganz sicher, dass wir für diese unsere Arbeitsweise am Ende viele Stimmen von Wählerinnen und Wählern bekommen werden. Denn niemand sollte glauben, dass ohne die GRÜNEN in der Regierung irgendetwas besser wird. Die Alternative zu Grünen in der Regierung ist die Große Koalition, das konnte man im Bund sehen. Und glaubt irgendwer daran, dass es mit einer SPD-Umweltministerin oder einem SPD-Wirtschafts- und Verkehrsminister in Hessen grüner würde?

Wir in Deutschland haben sehr viel Wissen, können die Ärmel hochkrempeln und gehören in vielen Bereichen – auch in der Wissenschaft – zur Spitze in der Welt. Also müssen wir uns diesen Herausforderungen stellen: Wettbewerbsfähig sein und gute Löhne zahlen, preiswert anbieten und umweltverträglich produzieren, flexibel auf den Markt reagieren und feste Arbeitsplätze bieten Das ist keine einfache, aber eine unglaublich spannende Aufgabe. Ich würde mich ihr mit großer Begeisterung weiter widmen.

Und wir haben viel erreicht, auf das wir weiter aufbauen wollen. Aus dem Schülerticket kann so ein Seniorenticket in der nächsten Legislatur werden – und ein Bürgerticket für alle in der Zukunft. Wir können weiterhin daran arbeiten, die Verkehrswende, die Energiewende genauso wie die Agrarwende Tag für Tag und vor Ort gemeinsam umzusetzen. Und daran, dass Bildungspolitik nicht mehr spaltet und SchülerInnen trennt, sondern wirklich alle gemeinsam fördert.

Wir werden weiterhin GRÜNE Inhalte in den Mittelpunkt stellen und lassen uns unsere Themen nicht von denen bestimmen, die alles verachten, wofür wir in einer offenen, fairen und nachhaltigen Gesellschaft einstehen.

VITA

  • Geboren am 03.01.1971 in Offenbach am Main
  • Schulausbildung in Frankfurt am Main, Offenbach am Main und Sana’a (Jemen)
  • 1991 Abitur
  • 1991 bis 1992 Zivildienst
  • Studium der Politologie; Abschluss: Diplom-Politologe

POLITISCHE VITA

  • Seit 1989 Mitglied der Grünen
  • 1992 bis 1994 Vorsitzender der Grünen Jugend Hessen
  • 1993 bis 1997 und von 2000 bis 2016 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Offenbach am Main.
  • 1995 bis 2017 Mitglied des Hessischen Landtags
  • 1995 bis 2005 innenpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
  • Mai 2000 bis Januar 2014 Vorsitzender der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • 2004 Mitglied der 12., 2009 Mitglied der 13., 2010 Mitglied der 14. und 2012 Mitglied der 15. Bundesversammlung
  • 2005 bis 2008 integrationspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
  • 2005 bis 2013 medienpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
  • September 2007 bis Dezember 2013 Vorsitzender des Landesverbandes BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Hessen
  • Dezember 2006 bis November 2015 Mitglied des Parteirats des Bundesverbands von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • 2003 – 2014 Mitglied des Rundfunkrats des Hessischen Rundfunks
  • seit 18.01.2014 stellv. Ministerpräsident und Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung